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Sünde

Es ist passiert. Irgendwann musste es ja so kommen - ich habe gesündigt. Kaum war die Euphorie der ersten gepurzelten Pfunde verflogen, hatte ich plötzlich im Hinterkopf, dass es ja nicht allzu schlimm sein könnte, wenn man mal ein bisschen daneben greift.

Statt mitten in der Nacht nur an der M&Ms Tüte zu riechen, habe ich ganz auf Sicherheit gemacht, nie wieder verführt zu werden. Wie ein Scheunendrescher wanderte eine nach der anderen dragierten Erdnuss in meinen so enthaltsamen Schlund. Jegliches Stück ungewürztes Fleisch, jeder noch so glasige Fisch, plötzlich vergessen. Eine ganze, gepflegte XXL-Tüte war im Nu eingeatmet.

Nicht einmal ein schlechtes Gewissen hatte ich beim zu Bett gehen. Warum auch? Ich tue es ja für mich und muss niemandem Rechenschaft ablegen. Oder etwa doch? Bin ich es den mittlerweile 240.000 Lesern schuldig, stets streng kontrolliert zu bleiben? Genau an dem Punkt war ich nach einer durchwachsenden Nacht, denn ruhig habe ich nicht schlafen können. Geträumt wie ein Verrückter.

Da stehe ich am Bahnhof, mit irgendwelchem Gärtnergestrüpp in der Hand und warte auf den einfahrenden Zug. Das Eisenkoloss kommt mit einem Höllenlärm zum Stillstand, die Türen öffnen sich. Etliche Menschen steigen aus, ein großes Hallo auf dem Bahnsteig. Familien, Liebende, einfach alles, was auf solch einem Bahnhof eben so aussteigt. Am Ende einer Reise. Sollte meine Reise etwa auch zu Ende sein. Ich bin ja nicht so der Freund von Traumdeutungen. Aber was willst Du davon halten, wenn sich der Bahnhof dann leert und am Ende des Bahnsteigs eine Dreiergruppe von Herren offensichtlich auf dich wartet? Ich nehme also meine Billigblumen vom ortsansässigen Thai-Blumen-Händler und wate in Richtung der Combo. Je näher ich komme, umso skurriler wird es. Den ersten der Drei kann ich schon aus der Ferne erkennen. Zähne wie die beste Zahnarztfrau, nur halt ohne Apfel, die Tolle nett auftupiert. Oder sind die etwa immer so. Er kommt auf mich zu und singt. Ja, was soll er auch sonst machen. Es ist ja schließlich ein bekannter Schlagerbarde, der mir in mein Sündengesicht seine Hymne singt. Von etwas Spaß ist die Rede. Ja verdammt, den hätte man aber auch anders haben können.

Nun erkenne ich auch die anderen beiden Herren. Es sind Hape Kerkeling und der designierte Bundespräsident Walter Freiwald. Ist denn der jetzt bekloppt, denken Sie jetzt sicher? Das bisschen Zucker schwer auf die Psyche geschlagen? Ich kann es nicht sagen, was die drei Typen da wollen. Wie es weiterging, weiß ich auch nicht, aber sie waren da. Vielleicht wollte der kleine dicke Kerkeling mir ja sagen, dass das ganze Leben ein Quiz ist, auf den Jakobsweg schicken oder sonst was. Aber da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Macht die eigentlich je irgendwer ohne den Wirt? Ich werde das mal beim nächsten Besuch in einem Etablissement meiner Wahl ausprobieren. Wird sicher Entertainment pur, wenn er zurückkommt und ich ihm sage, dass ich noch was von ihm bekomme. Der Freiwald wollte sicher mein künftiger Ghostwriter werden, aber das alles bleibt wohl nur Spekulation. Denn der Wecker beendete alle Träume.

Die Träume von der großartigen Figur, der ist immer noch da. Breit gebaut, braun gebrannt, hundert Kilo Hantelbank. Na gut, mir würden auch weniger Speckrollen, irgendwie mal wieder sichtbare Muskulatur und ein bisschen Sonne genügen.

Gegen Ende der Woche musste ich dann leider noch einmal irgendwelche Ausreden erfinden. Weissweinschorle, Mexicaner und nen schöner Longdrink mussten einfach sein. Zum einen hatte ich einen wichtigen Sieg errungen, zum anderen war es nicht anders zu ertragen. Ertragen? Ja, genau. Seit neustem besucht doch tatsächlich eine Schabracke allererster Güte mein wochenendliches Wohnzimmer. Poren wie eine ganze Kraterlandschaft, Haare ganz die Marke "aufgeplatztes Sofakissen" und die Klamotten hat die Endfünfzigerin sicher ihrer Enkelin, ach was sage ich - in ihren Kreisen kann es auch schon die Urenkelin sein - geklaut. Ich bin ja wirklich ein toleranter Mensch. Aber nee - irgendwann ist auch gut. Pailettensupermini, Overknees, royalblauer Angoraimitatfrasenpulli. Die sieht aus wie frisch vom rumänischen Wohnwagengewerbe eingeflogen. Und benimmt sich auch so. Was auch immer daran reizen kann, das werde ich beim nächsten Mal die 20-Jährigen fragen, die ihre pelzige Zunge in diese Dentalbaustelle geschoben haben. Und zwar abwechselnd. Auch ne Möglichkeit Diät zu machen. Ganzjährig Blumenkohl. Und zwar oberhalb der Lippe. Welcher, das lassen wir jetzt mal aus.

Auch wenn ich innerhalb von einer Woche gleich zweimal gesündigt habe, ist noch nicht alles verloren. Man muss sich das so vorstellen, man steht mitten in der Meisterschaft und erleidet eine empfindliche Schlappe. Doch wie heißt es so schön? Abgerechnet wird zum Schluss. Und Schluss ist ja eben noch lange nicht. Noch nicht. Aber bald. Hoffentlich bald.

23.2.15 17:56

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