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Dschungelprüfung

Sie ist rum - endlich. Die mit Sicherheit schlimmste Woche, die mein Gourmetgaumen je durchmachen musste.

Zunächst mal ein krasses "Danke" an die vielen Leser und vor allem "Fanpost"-Schreiber bei FB, Instagram und Twitter. Hätte ich je damit gerechnet, wie viele Leute daran interessiert sind, auf welche Art und Weise ein zwei Meter großes Stück weißhäutigen Fleisches langsam zurecht gemacht werden, wäre ich sicher etwas vorsichtiger damit gewesen, was ich schon von mir gegeben habe. Aber gut - es soll ja auch authentisch sein.

cellReset - noch nicht lange auf dem Markt, soll zu besserem Wohlbefinden führen. Es ist noch Luft nach oben. Ich bin sozusagen gerade erst ins Dschungelcamp eingezogen und habe die ersten Prüfungen hinter mir. Die Dschungelkrone ist noch ein ganzes Stück entfernt.

Ohne Witz - wenn das Programm vorbei ist, werde ich sicher erstmal den nächsten gebratenen Hahn - für die älteren Honeckersemester der "Broiler", mit allem würzen, was mir in die Hände kommt.

Ich bin die Desiree Nick der Ernährungsprogramme. Haben Sie schon mal auf nem ollen Stück Pute 32-Mal rum gekaut? So und nicht anders stelle ich mir den Verzehr von Känguru-Hoden vor. Die Kauleiste zermalmt die trockene Pute. Keine Sorge, Ihrer Gattin geht es gut. Ich meinte dieses Federvieh, dessen Brüste ich nun täglich mit meiner Futterluke liebkose. Zärtlich knabbere ich also meine 32 Einheiten an dieser rum. Aber glauben Sie, die gibt mal einen Ton von sich, ob ihr das gefällt? Der Unterschied zu den Hoden, die die Nick, Olivia Jones oder die auch sehr brustaffine Ex-Hinterhof-Bettakrobatin Melanie Müller mit großem Genuss verzehrten? Es kommt nix! Also gar nichts. Nicht, dass ich erwarten würde, dass eine Pute einen Hoden mit sich führt. Aber Entschuldigung, ganz so trocken muss es dann auch nicht sein.

Witziger Weise turnt die Müllerin just in dieser Sekunde hier ganz um die Ecke auf einer Erotikmesse rum. Auch da geht es um trockene Puten - aber meine Herren, da sind Sie nun selber schuld. Ich hab damit nichts zu schaffen.

Wie bereits berichtet, ist nun Woche eins rum. Ab morgen kommt dann wenigstens etwas Grünes dazu. Zu diesem Zwecke ging es am Samstag in die Markthalle zu Kassel. Guantanamo für Würzleidende.

Tür auf, ich rein. Neben den üblichen Zickenschulzes mit dem Bier am Hals bevor das erste Frühstücksbrötchen vertilgt wurde, natürlich auch die Piekfeinen. Sie großflächige Sehhilfe mit Swarowski-Brillenkettchen, akkurat dazu der lila Nerz. Gesichtsstruktur Ledercouch. Daneben ihr Göttergatte. Miserabel gefärbtes Haar, zumindest das, was davon übrig blieb - der Rest wurde fein säuberlich von rechts nach links über den Prollschädel gebürstet. Und damit das Bild vervollständigt wird selbstverständlich das klassische Yachtclub-Hemd und die weiße Jeans mit der zum Outfit der Dorfschönheit von 1943 abstimmten Brille in wundervoller Lila-Tönung. Frisch gemahlener italienischer Kaffee, Champagner, beste Anti-Pasti und noch allerlei Gedöns auf dem Teller. Im Gegensatz zum Aussehen der beiden, sehen die Teller nicht aus wie Dresden '45, sondern sind einfach eine Augenweide. Viel schlimmer aber - dieser Geruch.

In diesem Moment hätte mir niemand einen Meuchelmord wegen Tellereroberung übel nehmen dürfen. Aber auch die anderen Gerüche in diesem tollen, alten Gemäuer - nein meine Herren, auch jetzt meine ich nicht ihre Gattin - einfach eine Sensation für die Sinne. Mir ist das Wasser im Mund zusammengelaufen.
Mit was ging es raus? Mangold, etliche Kräuter und ein paar Tomaten, sowie ein bisschen Zitrone zum Marinieren. Das musste ich dann zu Hause auch machen. Artig portioniert (wobei ich immer noch nicht weiss, ob 200 Gramm vor oder nach dem Braten sein dürfen. Ich hab mich für 200 davor entschieden.), unterschiedlich mariniert. Bin gespannt, ob das auch schmeckt.

Dann aber die wohl grösste Prüfung der Woche. Karneval. Die Zeit, in der Uschi Koslowski zum wilden Luder mutiert, sich die Billigbrause mit ein paar Umdrehungen in ihren fauligen Torso kippt und am Ende mit einem völlig zugeballerten Toyboy irgendwo auf dem Parkplatz verschwindet.

Ich mich also mächtig verkleidet. Irgendwas zwischen Phantom der Oper und Casanova, na ja - im weitesten Sinne. Moppeliger Depp mit ner halben Maske und der Kutte aus dem Kaufhof. So daneben kann es dann nicht gewesen sein. War der Hingucker.

Was der Unterschied zwischen einem cellReset Karneval und einem normalem Karneval ist? Nun, zirka 1,8 Promille, bzw. entsprechende Getränke um auf den geistigen Standard für dererlei Veranstaltungen kommen zu können. Die clevere Idee war dann auch noch, dass wir zur Sinnlust-Karnevalsparty sind. Das ist alle drei Monate die Prideparty in Kassel und mal ne lustige Abwechselung zu den Besuchen in meinem Wohnzimmer auf der einzigen Partymeile der Stadt, "Joes Garage". Aber sich mit Wasser in Stimmung zu bringen, hui...sportliche Aufgabe und mir noch nicht gelungen.

Ich also zwischen wild feiernden Menschen aller Couleur. Der Nachteil dieser Zucker- und Salz-Tortur ist, dass man ganz schnell ganz boshaft wird. Wenn Manfred seinen Brummifahrer-Fleischberg zur Trümmertranse formt, Chantal gerne ein cooler Hip-Hop-Boy sein will, dann zischt einem schon mal ein ganz lautes und gehässiges Lachen raus. Hat aber nichts daran geändert, dass ich tatsächlich den Kostüm-Wettbewerb bei den Herren gewonnen habe. Wow - bin ich jetzt schon Mister Kassel?

Zumindest gab es einen 50-Euro Gutschein für den sofortigen Verzehr von köstlichen Getränken. Toll. Jubelstürme. Unglaubliche 25 Wasser hätte ich dafür bekommen. Und weil ich ja auch Spaß haben soll, hätte ich die Wahl zwischen "mit oder ohne Kohlensäure" gehabt. Habe das Scheissteil dann verschenkt an meine Freunde. Und als dann auch noch Lorielle London sich aufmachte, Casanovas Spieß umdrehen zu wollen, bin ich geflüchtet.

Selbst der obligatorische HeimgehDöner - den man entweder nächsten Morgen noch oder schon wieder zwischen den Zähnen hat. Och manno - wie soll denn Gülüsan Atatürk jetzt in seinem Kalbfleischvershclag überleben, wenn es nur noch Leute wie mich gibt. Heimfahrt. Spaßfaktor war eher so semi.

Nichtsdestotrotz - heute war Wiegen angesagt. Und ehrlich Freunde, ich bin ja einer, der gar nichts davon hält, wenn er diese Vorher-Nachher-Bilder mit den absoluten Lobhudeleien zum Programm im Internet sieht. Deshalb versuche ich hier auch alles genau so wiederzugeben, wie es mir in dem Moment geht.
Aber eines kann man nicht von der Hand weisen - Gewicht habe ich krass verloren. Und das in den paar Tagen. Also paar Tagen für Sie - für mich eher das mühevolle Schleppen durch die Ernährungswüste. Fakt ist, dass ich nun heute nach der ersten Woche von 116,5 Kilo auf 111,00 Kilo runter bin. Elf Pfund - überlegt mal, was man da alles an Hack fressen müsste, um es wieder auf die Rippen zu prügeln.

Da mache ich mich nun also weiter auf meinem Gang nach Canossa. In meiner Situation liest man immer Cabanossi, das mal nur nebenbei. Eine Frage will ich aber noch beantworten, die ich zu hunderten geschickt bekommen habe.

"Hast Du nicht ein einziges Mal gesündigt?"

Ich habe kein Salz, kein Zucker, keine Milchprodukte und vor allem keine Kohlenhydrate zu mir genommen, hatte Beischlaf und habe keinerlei Sport ausgeübt, außer zwei Stunden hoch zu Ross durch die nordhessische Provinz zu galoppieren.

Aber dass man bei dem Programm vor allem in der ersten Woche an der Klatsche bekommt, belegt der Umstand, dass ich so einen Zuckerjieper bekommen habe, dass ich nachts aufgestanden bin und zehn Minuten an meiner Tüte M&M's gerochen habe.

Sei es, wie es sei - Woche zwei steht vor mir. Noch 21 Tage mit 84 Mahlzeiten. 21 Tage voller Rumheulerei eines Mittdreißigers, der am morgigen Rosenmontag nochmal einen Ausflug in die Karnevalswelt unternimmt, um zu schauen, ob es auch im Düsseldorfer Hof leckeres Wasser gibt.

Dschungelprüfung - next Step also. Und wie würde die Müllerin sagen? Schluck runter Du Memme!

Helau, Alaaf und Ho Narro.

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15.2.15 19:19, kommentieren

Vorhang auf

Nun ist es also soweit. Meine Bachelorchallenge startet. Jetzt denken Sie sicher, warum um Gottes Willen Bachelor? Nun, der aktuelle RTL-Zuhälter ist mal moppelig gewesen. Und er ist Mr. Germany. Wussten Sie nicht? Wer auch nur fünf Minuten sinnbefreite Chirurgenbunnys um den segelohrigen Exfetten ansieht, wird zirka 8532578543 Mal genau die Geschichte hören, dass er sich so sehr zu seinem Traumkörper quälen musste. Witziger Weise wird genau der Körper im Vorspann gedoubelt. Jetzt will ich weder Mr. Germany werden, noch Kurzmieter in einem Puff in Südafrika oder Amerika werden, vielmehr haben den Hashtag meine Follower erfunden.

Womit wir beim nächsten Thema sind. 32.009 Leser hatte mein erster Artikel. Wie krass ist das denn bitte? Nun ja, das haben Sie nun davon. Mitgefangen, mitgegangen.

Heute also nun der Startschuss. Was ist am wichtigsten bei so einem Projekt? Die harten, niederschmetternden Fakten. Dann fangen wir mal an, jede Brigittediät beginnt ja schließlich auch so.

Größe: 2,00 Meter
Gewicht: 116,5 Kilo
Brust: 117 cm
Bauch: 116 cm
Hüfte: 108 cm
Taille: 115 cm
Oberschenkel rechts: 67 cm
Oberschenkel links: 69 cm
Bizeps links: 34 cm
Bizeps rechts: 38 cm
Schulter zu Schulter: 60 cm

Schon alleine der Begriff Bizeps hat mich zum Schmunzeln gebracht. OberarmknochenmitbisschenfettemFleischdran war aber zu lang. So viel zu den nackten Zahlen. Die nackten Tatsachen erspare ich ihnen lieber.

Mein erstes Projekt ist cellReset. Die Anmeldung war sehr einfach. Das Prinzip klingt einfach. 28 Tage nur weiße und grüne Tage, alles ohne Salz und Zucker. Haben Sie schon mal ungewürztes Hackfleisch von der mageren Pute 32 Mal pro Bissen gekaut? Herrlich, wie der menschliche Körper jegliche Speichelbildung dabei einstellt. Aber ich bin ja nicht zum Spaß hier.

Das ganze Programm wird mit Ergänzungsmitteln angereichert. Pülverchen und Aminosäuren in Kapselform. Der Spaß kostet rund 170 Euro für die 28 Tage.
Na ja, irgendwie muss es ja jetzt mal losgehen, dachte ich gestern Abend. Nachdem ich mir das Wochenende noch schön alles in meinen künftigen Traumkörper geballert habe, was man getrost als ungesund bezeichnen könnte, schwang ich mich also auf und gleitete in die Küche. Gleiten im weitesten Sinne. Elefantös trifft es wohl besser, nicht umsonst klopfte die 93 jährige, schwerhörige Nachbarin unter mir mit dem Besen an die Decke.

Einen speziellen Tee und die beiden Frühstückseier musste ich schon am Vorabend vorbereiten. Soll eiskalt sein beim Verzehr. Warum? Ja, gute Frage. Vielleicht damit man morgens schon weiß, dass der Tag kein Zuckerschlecken wird. Aus lauter Schreck davor hab ich noch drei Stückchen Apfelkuchen mit frischer Sahne vertilgt.

Man muss wissen, dass ich nicht der Paradesingle bin. Neben dem örtlichen Pizzaservice weiß ich tatsächlich, wie man sich ein Festmahl bereitet. Kochen und Backen - oh ja, das kann ich. Und jetzt soll ich also meine Sinne ausschalten. 28 Tage lang.
Die erste Hürde war schon gleich die zweite Mahlzeit. Putenhack. Vielleicht hätte ich das Etikett mal lesen sollen. Da stand schließlich in Microgrösse "gewürzt" drauf. Gesalzen! Totsünde! Jedenfalls für die kommenden 28 Tage und weiteren 111 Mahlzeiten. Also flugs nochmal los zum Fleischer meines Vertrauens. "Hammwa nich" - reizend. Weiter zum nächsten. Hinter der Theke ein anmutiges Wesen. Eine Mischung aus Blut-, Leber- und Augenwurst. Mit ihrer lieblichen Stimme - ich denke, sie imitiert in ihrer Freizeit Gunter Emmerich - entwickelte sich folgender, verkaufs- und dienstleistungsorientierter Dialog:

"Schönen guten Tag. Ich hätte gern 1 Kilo Putengehacktes"
"Ja genau. Ungewürzt und möglichst fettlos?"
"Das wäre hervorragend."
"Sie glauben auch noch an den Weihnachtsmann, hä?!"

Jetzt könnt natürlich kurz berichten, dass mein Blutdruck kurzzeitig ungesund und meine Ausdrucksweise eher so semigebildet wurde. Schließlich aber konnten die Leberwurst und ich aber noch eine Einigung erzielen. Ich komme nie wieder. Sie wird es feiern. Wahrscheinlich mit nem Trog voll Mett.

Nach einer langen Odyssee habe ich den Kram dann doch noch bekommen. Im Discounter. Braten und Essen - das konnte ich dann doch noch ganz gut.

Jetzt lieg ich hier auf der Couch und habe also die ersten drei Mahlzeiten hinter mir. Ich lebe noch. Noch. Nur noch 27 Tage...

9.2.15 21:42, kommentieren